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Der jungeRat

Der folgende Text ist im Gegensatz zu den restlichen Texten dieser Veröffentlichung nicht von Personen verfasst, die im Bereich der kulturellen Bildung arbeiten, sondern von denen, mit denen gearbeitet wird – den Jugendlichen selbst.

Zunächst einmal sollte klar sein, dass Jugendliche, genau wie Erwachsene, keine
homogene Masse sind und man daher eigentlich nicht von „den Jugendlichen“ sprechen kann. Es resultieren durch Vernachlässigung dieser Tatsache allerdings viele Projekte, die nicht an die eigentlichen Jugendlichen, sondern nur an ein eindimensionales Bild von ihnen ausgerichtet sind. Die große Frage, wie und womit man Jugendliche erreichen, bzw. für die jeweiligen Projekte begeistern kann, lässt sich so leicht beantworten. Jugendliche fühlen sich eben nicht angesprochen wenn das Angebot stereotypisch an „die Jugendlichen“ in „cooler Szenesprache“ gerichtet ist. Solange man die Jugendlichen nicht mit allen ihren individuellen, verschiedenen Interessen und Neigungen wahrnimmt, solange wird man einseitige Projekte anbieten, die nur wenige interessieren.

Genau wie man Jugendliche in ihrer gesamten Interessenvielfalt wahrnehmen sollte, so muss man sie auch als gleichgestellt und nicht von oben herab behandeln. Es ist hilfreich für Projektleiter, das Umfeld, aus dem die jeweiligen Jugendlichen kommen von inner her zu kennen. Das ermöglicht eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe und ein erhöhtes Veständnis füreinander.

Da kulturelle Bildung immer auch etwas mit Identitätsbildung, persönlicher Entwicklung und Lernen im Allgemeinen zu tun hat, ist ein Scheitern auch bei Verfehlung des eigentlichen Ziels oder angestrebten Endprodukts eigentlich nicht möglich. Schließlich ist das Lernen aus Fehlern ebenso wichtig und muss als essenzielles Nebenergebnis Akzeptanz finden.

Ebenso wie das Scheitern ist die Vorstellung von Kunst etwas, was die Teilnehmer in keinem Fall abschrecken darf. Jugendliche müssen ihre Kunst auch als Kunst begreifen dürfen, ohne das diese von einem vorgeschriebenen, fremddefinierten Kunstbegriff als schlecht oder unwürdig befunden wird.

Damit bei einem Projekt individuell gearbeitet werden kann, muss sich der Projektleiter im Vorfeld auf die jungen Teilnehmer der Gruppe vorbereiten. Es ist unmöglich das Projekt ohne Informationen über die Jugendlichen zu konzipieren, da diese auf Grund ihrer Vielfältigkeit das Projekt maßgeblich beeinflussen. Genauso wichtig ist es, Zeit für eine Nachbereitung zu lassen, damit sich Erfahrungen festigen und neue Ideen aufkommen können.

Jugendliche unterscheiden sich von „Erwachsenen“ eben dadurch, dass sie noch nicht auf eine bestimmte (berufliche) Laufbahn festgelegt sind und sich demnach in einer Phase der Orientierung befinden. Die kulturelle Bildung und künstlerische Aktivitäten bieten die Möglichkeit vieler neuer Erfahrungen, dadurch dass sich die Jugendlichen sich ausprobieren dürfen. Dafür sind Freiräume und Variablen in Projekten für die Jugendlichen unabdingbar.

Wir bedauern, dass unser Text wenig neue Erkenntnisse hervorbringt und wir viel mehr Voraussetzungen für kulturelle Bildungsprojekte beschreiben, die selbstverständlich sein sollten. Die Erfahrungen sowohl aus unserem Alltag, als auch aus der Diskussion im Rahmen des Werkstattgesprächs zeigen jedoch, dass es notwendig ist, diese noch einmal zu erwähnen und darauf hinzuweisen. Es handelt sich um grundlegende Voraussetzungen für jede Arbeit mit Jugendlichen (und Menschen im Allgemeinen). Es gilt allgemein: Wenn mit Jugendlichen gearbeitet wird, müssen diese auch in die Arbeit mit einbezogen werden.

Bei Einhaltung dieser Grundsätze , können leicht komplexere Probleme vermieden und Projekte effektiver gestaltet werden.

www.jungerrat.de

Oliver Mohr